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Gleich und gleich gesellt sich gern—aber bitte unter eigenem Namen.

Ich möchte hier ein momentan gänzlich unaktuelles Thema anschneiden—zumindest nicht aktuell in Deutschland.

Das Thema ist das, was im englischsprachigen Raum zunehmend als marriage equality (Ehe- oder Heirats-Gleichberechtigung, manchmal auch ‚gleichberechtigte Ehe‘ genannt) bezeichnet wird. In Deutschland ist die Thematik unter dem Namen Homo-Ehe bekannt. Dieser Begriff ist, meiner Ansicht nach, noch um einiges schlechter als der, der vor der Einführung des Begriffes marriage equality im englischsprachigen Raum dominant war: gay marriage („schwule Ehe“ oder „homosexuelle Ehe“).

Das mag nun nach Wortklauberei klingen, oder auch nach Political Correctness. Tatsächlich finde ich aber, dass die Bezeichnung hier einen Unterschied macht. Und das stellt eine 180-Grad-Wendung meinerseits zu diesem Thema dar. Bevor ich darauf eingehe, will ich kurz die Frage beantworten: „Was hast Du gegen den Begriff Homo-Ehe?“ Die Frage ist am einfachsten beantwortet mit einem Zitat des US-Bundesrichters Vaughn R. Walker, in seiner Urteilsbegründung zu seiner Entscheidung letztes Jahr, dass ein Verbot der „Homo-Ehe“ verfassungswidrig ist:

Das Ziel der Kläger ist nicht die Anerkennung eines neuen Rechts. Wenn man das Ziel der Kläger als „das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe“ bezeichnen würde, würde man andeuten, dass die Kläger ein Recht verlangen, das sich von dem unterscheidet, dass heterosexuelle Paare überall in diesem Staat haben — nämlich, das Recht, eine Ehe einzugehen.

[Quelle, Übersetzung SL]

Dem ist wenig hinzuzufügen.

Noch vor drei Jahren hätte ich vermutlich achselzuckend auf die Frage reagiert, was ich von der Homo-Ehe halte. Oder ich hätte angemerkt, dass ich generell denke, dass die Ehe eine veraltete Institution ist, begründet in einer Zeit in der wenige Leute älter als 30 wurden, und die generell mehr Schmerz und Probleme verursacht, als sie Gutes erzeugt. Ich hätte zugefügt, dass ich generell denke, dass niemand heiraten sollte, ausser aus steuerlichen oder Einwanderungs-Gründen.

Ich stehe zu dieser Einschätzung, und zu dem Ratschlag. Man mag daraus schliessen wollen, dass ich „eingetragene Lebenspartnerschaften“ als ausreichende Gleichstellung betrachte, insofern alle Vorteile, die Eheleute haben, auch gleichgeschlechtlichen Paaren zukommen. Damals hätte ich dem sicher zugestimmt. Heute nicht.

Ja, es macht einen Unterschied, ob die Partnerschaft nun als „Ehe“ bezeichnet wird oder nicht. Gleichgeschlechtlichen Paaren diese Bezeichnung zu verwehren impliziert, dass ihre Beziehungen nicht gleich viel wert sind als die von Paaren unterschiedlichen Geschlechts. Oder zumindest, dass ihre Beziehungen anders sind. Das sind sie nicht, jedenfalls nicht in irgendeinem relevanten Sinn.

Deshalb: Solange heterosexuelle Paare das Recht haben zu heiraten (und ja: Ich bin dafür, dass Ihnen dieses Recht genommen wird), sollten homosexuelle Paare dasselbe Recht haben.

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