Union/FDP: Nein, danke. Grün/Rot: Ja, bitte. Energiepolitik oder Glaubwürdigkeit?

Allenthalben werden die Stimmenzuwächse bei den Grünen, und die Verluste bei Union und FDP der Energiepolitik zugeschrieben—oder gleich, abkürzend, Fukushima. Wäre Fukushima nicht passiert, so mag man den Medien entnehmen, hätte alles ganz anders ausgesehen. Mir scheint, das ist ein wenig zu kurz gedacht.

„Union/FDP: Nein, danke. Grün/Rot: Ja, bitte. Energiepolitik oder Glaubwürdigkeit?“ weiterlesen

Atomenergie und die Folgen des Erdbeben in Japan

Die Folgen eines Unfall in einem Atomkraftwerk werden uns im Moment in Japan auf schreckliche Weise vor Augen geführt. Auch wenn es bei uns in Deutschland eine wesentlich geringere Wahrscheinlichkeit für Erdbeben und Tsunamis gibt, muss das Thema Atomausstieg wieder auf den Tisch. Denn für einen GAU braucht es weder ein Erdbeben, noch Tsunamis. „Atomenergie und die Folgen des Erdbeben in Japan“ weiterlesen

Politikverdrossenheit in Deutschland?

Nachdem der (für mich lange überfällige) Rücktritt von Guttenberg erfolgt ist und an seine Stelle nun Herr de Maizière, die Allzweckwaffe von Frau Merkel, als Verteidigungsminister tritt, drängt sich für mich eine andere Frage auf: Ist die Politikverdrossenheit in Deutschland wirklich so groß?

Durch die öffentlichen Diskussionen in den Medien und vor allem im Internet, habe ich im Moment nicht den Eindruck einer großen Politikverdrossenheit in Deutschland. Da wird leidenschaftlich über den Rücktritt diskutiert. Bei Facebook gibt es viele inhaltlich gute Diskussionen, die Menschen nehmen an Online-Umfragen teil. Manchmal polemisch, oft jedoch auch wirklich sachlich und ruhig. Die Politik bewegt und interessiert die Menschen also doch mehr als immer behauptet wird, oder täuscht der Eindruck?

Der Herr Blome (Bild) hat gestern bei Anne Will gesagt, dass wir es bei den anstehenden Wahlen sehen werden. Er befühchtet, dass es erneut überall eine niedrigere Wahlbeteiligung geben wird. Das halte ich auch für möglich, aber ist das dann Politikverdrossenheit, oder hat das vielleicht andere Gründe? Wo sind die Ursachen dafür und, wie können sie abgestellt werden? Das ist für mich die wichtige Frage, nachdem jetzt vielleicht etwas Ruhe einkehrt.

Ob ein KTG in einigen Jahren wieder zurückkehren kann, ist zweitrangig und ich finde die Diskussion darüber im Moment völlig unpassend. Er hat einen Fehler gemacht und ist damit falsch umgegangen. Deshalb war der Rücktritt „alternativlos“. Viele Politiker sind nach einer Pause zurückgekommen (z.B. Schäuble, Özdemir, Strauss), die Möglichkeit sollte nach einigen Jahren auch für KTG gegeben sein. Jetzt sollte aber so langsam wieder mal über die eigentliche Politik gesprochen werden.

Immerhin sind in den den nächsten Wochen einige Landtagswahlen und hier in Hessen die Kommunalwahl. Da geht es nicht um KTG, sondern um Themen und Politik vor Ort. Deshalb: Bitte geht alle wählen! Egal wo ihr das Kreuz macht!

Internet, Medien und Politik

Im Fall von Tunesien und Ägypten wurde von allen deutschen Politikern die Wichtigkeit des Internets und der Plattformen wie Facebook und Twitter herausgestellt und gelobt. Hier zeigt sich die Macht des Internets. Denn damit hat die Bevölkerung die Möglichkeit sich frei zu äußern und die Meinung nach außen zu tragen. Diese Möglichkeit haben sie sonst nicht, weil die Medien in diesen Ländern (und vielen anderen) kontrolliert werden, eine objektive Berichterstattung fast nicht möglich ist und ausländische Journalisten nicht frei arbeiten können.

Jetzt ist dieses Internet aber auch in Deutschland angekommen. Ein Politiker ist zumindest teilweise durch  das Internet „gestolpert“. Hier ist die Meinung der gleichen Politiker aber auf einmal eine andere. Hier wird eine Kampagne der Medien gewittert. Das Internet ist auf einmal nicht mehr so toll. Warum?

War der Rücktritt von Guttenberg eine Kampagne der Medien? Nein, die Debatte wurde von den Medien angestoßen und dann im Internet weitergetragen. Die Medien haben diesen Ball nur wieder zurückgespielt, was sie aber auch im Falle von Tunesien oder Ägypten gemacht haben. Da wurden sie gelobt, jetzt werden sie für ein ganz ähnliches Verhalten gescholten.

Bild ist neidisch?

Liebe Bild-Zeitung,

was ist bloß los? Ihr seid doch überparteilich, oder? So steht es doch auf dem Titelblatt, wenig ich mich nicht irre. (Ich habe schon lange kein gedrucktes Exemplar in der Hand gehabt.) Da schreibt der Verteidigungsminister scheinbar im großen Stil ab und was tut die Bild? Nichts. Jeden anderen Politiker hättet ihr schon kaputt geschrieben. Die Messer wären gewetzt worden, die Kolumnen böse. Warum jetzt nicht?

Ach richtig. Es geht ja jetzt um euren Gutti, den adeligen Superheld mit Göttergattin. Dem Adel darf man nicht ans Bein pinkeln (der pinkelt selbst an Beine).

Immerhin, euer Kolumnist gesteht endlich ein, dass er keine Ahnung hat, von dem was er schreibt. Warum schreibt er dann überhaupt?  Wie sagt Dieter Nuhr doch so schön: Einfach mal Fresse halten.

Mir kommt gerade noch ein ganz anderer Verdacht, warum Ihr euch in der Bild-Redaktion so zurückhaltet und lieber darüber schreibt, dass es der Neid sei, der die Plagiatsvorwürfe so nach oben spielt. Ist es bei euch auch der Neid? Immerhin hat der feine Adelige ja bei der FAZ abgeschrieben und nicht bei euch.  Aber jetzt seid doch mal ehrlich, wenn er mit Schriftgröße 44 gearbeitet hätte, dann wäre das Abschreiben doch noch schneller aufgefallen. 🙂

Update: Gerade habe ich den Artikel veröffentlicht und danach mal beim BildBlog reingeschaut und was muss ich da lesen: Der Herr Wagner hatte ja doch mal Ahnung. Bei solch einer Vergesslichkeit, sollte er vielleicht mal seinen Doktor aufsuchen. Vielleicht tut es aber auch ein normaler Arzt. Denn er schreibt ja selbst: „Scheiß auf den Doktor“


Flattr this

Zwiebelfisch-Watch: Herr Sick und seine Probleme mit der englischen Sprache

Willkommen zu einem neuen Feature auf Bla3.de: Zwiebelfisch-Watch!

In dieser Serie werden wir gelegentlich Fehler in Bastian Sicks (unverdienterweise) populären Kolumne aufdecken. Herr Sick hat nämlich vor allem eins nicht: Ahnung von Sprache. Das ist nicht verwunderlich, wenn wir uns seine Kurzbiographie anschauen:

Geboren in Lübeck. Studierte Geschichtswissenschaft und Romanistik in Hamburg; war schon als Lektor und Übersetzer der deutschen Sprachverwirrung auf der Spur. Von 1995 bis 1998 arbeitete er als Dokumentationsjournalist beim SPIEGEL-Verlag, seit Januar 1999 bei SPIEGEL ONLINE.

Bermerkenswert: Herr Sick studierte Geschichtswissenschaft und Romanistik. Nicht: Sprachwissenschaft. Zwar möchte man hoffen, dass er während des Romanistik-Studiums ein wenig Sprachwissenschaft hat belegen müssen, das ist aber leider unwahrscheinlich. Danach war er dann Lektor, Übersetzer, Journalist. Alles Berufe also, die irgendwie mit Sprache zu tun haben, aber wenig systematisch über Sprache reflektieren. Wie es … nun, Sprachwissenschaftler tun. Deshalb nun unsere neue Serie.

„Zwiebelfisch-Watch: Herr Sick und seine Probleme mit der englischen Sprache“ weiterlesen

Die Macht der Mehrheit

Einer meiner (zahlreichen) Mitblogger hat kürzlich in diversen sozialen Medien auf diesen Artikel verlinkt (in nicht unbedingt positiver Art und Weise). Ich halte die meisten der Aussagen da für bloße Panikmache (Street View! Gmail Werbung! …), und der generellen Vorschlag des Artikels ist selbst für mich zu kommunistisch. Aber. Folgender Absatz ist dann doch etwas, dem ich zustimmen mag:

Die „richtige“ Antwort bei Google ist die, die am häufigsten gegeben wurde. In 80 Prozent aller Fälle dürfte das kein Problem sein, weil sich in den ersten zehn Suchergebnissen eine eindeutige Antwort findet. Aber in den weniger eindeutigen Fällen kann die Mehrheitsmeinung gegenüber der Minderheitenposition bevorzugt und so gefestigt werden. So verstärkt Google den Trend zu einer Welt, die immer einförmiger wird, je mehr sie zusammenwächst.

Auch das ist sicher ein wenig Panikmache. Dennoch: Ich erinnere mich an die Zeit als Amazon.de zum ersten Mal verkündete: „Kunden, die XXX gekauft haben, waren auch an YYY interessiert.“—meine erste Reaktion (die noch immer anhält) war Folgende: Wenn ich nur lese, was andere, die das lesen, was ich lese, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas Neues, Interessantes entdecke, recht gering. Bei Amazon hatte ich die einfache Möglichkeit, den aufdringlichen Ratschlag zu ignorieren—bei Google habe ich das nicht.

Ein Beispiel: Kürzlich wollte ich die Website des Philosophen Kissine finden. Google versuchte hilfreich zu sein, und zeigte mir Treffer, die das Wort „kiss“ enthalten. Und dies war nicht ein Fall von „meinten Sie …“—Google (bzw., ihr statistisches Modell) entschied einfach, dass ich ich am Küssen interessiert sein muss.

So, die Kritik hier ist nicht unbedingt, dass Google zuviel Macht hat, die es missbrauchen kann (obwohl auch das einen Gedanken wert ist), sondern einfach, dass (einfache) statistische Modelle schnell interessante Daten ausblenden können, die anderweitig sehr relevant wären. In einer Zeit, in der etwas, das nicht googlebar ist als kaum existent angesehen wird, ist das sicher etwas, über dass man sich Sorgen machen darf.