Taz verpixelt Werbung auf Sportfotos – zu kurz gedacht

Die Taz will in den nächsten zwei Wochen die Fotos auf den Sportseiten von Sponsoren befreien und die Werbung verpixeln. In ihrem Hausblog heisst es dazu:

 „… Die Sportpresse macht sich mit dem Abdruck der Bilder zum Erfüllungsgehilfen der Vereine und Sponsoren. Sie trägt die Werbebotschaft ungefiltert zu den Abonnenten. …“

Sicher ist in manchen Sportarten eine Grenze erreicht und die Spieler sehen aus wie wandelnde Litfaßsäulen, aber das wird die .taz mit ihrer Aktion nicht ändern. Außerdem ist diese Aktion in meinen Augen ein bisschen kurz gedacht.

Die Sponsoren sind für die Vereine und Verbände zum großen Teil überlebenswichtig. Viele Sportler können ihren Sport nur professionell ausüben weil sie genügend Sponsoren haben. Andernfalls müssen die Sportler mehr in ihrem normalen Job arbeiten und können dann im Sport keine Höchstleistungen bringen. Die Bilder in den Medien sind dabei für viele Sponsoren ein wichtiges Element um wahrgenommen zu werden. Wenn jetzt alle Zeitungen die Logos der Sponsoren verpixeln, dann bekommen vermutlich einige Sportler ein Problem weil die Sponsoren abspringen.

Nachwuchssport ohne Werbung

Aber nicht nur die Leistungssportler, sondern gerade auch die Breiten- und Nachwuchssportler. Denn diese hängen meist mit am „Tropf der Profis“ und sind mit auf diese Einnahmen angewiesen, weil die Jugendförderung zumindest in Teilen aus den Einnahmen des Profisports bezahlt werden. Hinzu kommt (das betrifft die Taz weniger), dass auch die Ausrüstung der Jugendlichen bezahlt werden muss und das geht kaum noch ohne Sponsoren. Da geht es um Trikots, Bälle, Trainingsanzüge. Auch hier freut sich ein Sponsor über ein Foto in der Presse (und spekuliert vielleicht auch ein bisschen darauf). Ist das verkehrt?

Macht sich die Presse damit zum Erfüllungsgehilfen eines vermeintlich kaputten Systems? Ich sage nein, die Presse profitiert ja auch nicht unerheblich. Der Sportteil dürfte für viele eine wichtiges Argument beim Kauf einer Zeitung sein. Vielleicht nicht bei der Taz, aber bei vielen anderen Zeitungen, gerade Lokalzeitungen.

Ich möchte auch noch zwei weitere Punkte anreissen:

Zum einen schaltet auch die Taz Anzeigen von Unternehmen oder macht in ihrer Online-Ausgabe Bannerwerbung. Warum? Weil ohne diese Einnahmen die Zeitung nicht möglich wäre. Die Gründe sind also ähnlich, auch hier ist eine gute Leistung ohne die Werbegelder nicht möglich. Was würde die Taz machen, wenn die Kioskbetreiber ab morgen die Werbung in der Taz überkleben? Würden die Anzeigenkunden sich darüber freuen? Oder würden sich die Anzeigenkunden freuen, wenn die Zeitung demnächst in neutrales Papier eingepackt ist, damit keine Werbung sichtbar ist? Sicher nicht, die Zeitung aber auch nicht, weil die Schlagzeilen dann auch nicht mehr sichtbar sind und die Leute den Kaufanreiz verlieren.

Sieht doch toll aus, oder?

Zum anderen sehen die Bilder von Sportlern mit einem schwarzen Balken über jeder Werbung einfach scheiße komisch aus. Hier schiesst die Taz einfach über das Ziel hinaus. Es wird zensiert und nicht mehr die Wirklichkeit abgebildet. Ähnlich ist es in den Öffentlich-Rechtlichen TV-Sendungen wenn Markennamen in Interviews peinlich vermieden werden. Das wirkt meist komisch und es weiß doch jeder welche Marke gemeint ist. Genauso komisch und zum Teil unwirklich wirkt es, wenn in Filmen/Beiträgen Markenlogos überklebt werden oder noch schlimmer nachträglich verpixelt werden. Warum darf in einer TV-Serie ein Gast in einem Restaurant keine Coca-Cola oder Pepsi trinken, sondern muss eine Flasche Pipse oder Caco-Cola trinken? Warum darf ein das Apple-Logo nicht zu sehen sein. Wer soll hier eigentlich vor was geschützt werden?

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Ein Gedanke zu „Taz verpixelt Werbung auf Sportfotos – zu kurz gedacht

  1. Manuel Dorn

    Das ist in der Tat (Taz?) zu kurz gedacht. Stimme deiner Einschätzung völlig zu. Vielleicht lassen sich aber wenigstens die jeweiligen Konkurrenten der zensierten Sponsoren dazu bewegen, dafür zu bezahlen? Mit dem Geld könnte man dann weiterhin die Vereine unterstützen. Quasi „Censoring“ statt „Sponsoring“. Dadurch würde auch für gute Grafiker ein völlig neues Geschäftsfeld entstehen, denn die Logos und Firmennamen müssten so gut wegretuschiert werden, dass man es nicht sieht. Diese schwarzen Balken sehen einfach zu hässlich aus. Und wo wir gerade dabei sind: Aus Vereins- oder Stadiennamen muss sowas natürlich auch in der Berichterstattung entfernt werden. Beispielsweise beim FC ***** Leverkusen oder der ***********arena.

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