Verlage schießen sich ein Eigentor!?

In Belgien haben einige Verlage gegen Google geklagt und Recht bekommen. Daraufhin hat Google die Seiten aus dem Suchindex genommen. Nicht nur aus Google News, sondern komplett entfernt. Laut Google war dies nötig, weil sich das Gericht in seinem Urteil nicht eindeutig auf den Dienst Google News beschränkt hat. Sicher ist dies eine sehr harte Entscheidung und für die Verleger entsteht ein gewaltiges Problem: Sie sind von einem Tag auf den anderen bei der größten Suchmaschine der Welt nicht mehr sichtbar.

Aber musste es soweit überhaupt kommen?

Warum sind die Verleger dagegen, dass Google mit ihren News Geld verdient und die Verlage mit Traffic versorgt? Google News kostet die Verlage nichts, sorgt aber für vermutlich nicht unerhebliche Besucherzahlen auf den Webseiten der Zeitungen. Immerhin werden bei Google News nur Ausschnitte aus den Artikeln gezeigt und wenn der Besucher einen Artikel lesen möchte, dann muss er auf die Internetseite der Zeitung wechseln. Google ist keine Wohltätigkeitsorganisation und will/muss Geld verdienen. Google macht das zu großen Teilen über Anzeigen in den Suchergebnisse und seinen weiteren Diensten. Die Verlage wollen doch das Gleiche, das können sie aber nicht ohne Besucher und die kommen nun mal zu einem großen Teil über Suchmaschinen. Bei jedem Besucher der über Google News auf die Webseite kommt, werden Anzeigen eingeblendet und der Wert der Seite steigt durch die größere Reichweite. Wo ist also das Problem für die Verlage?

Wenn ich mir die Seiten anschaue die ich verwalte – und hier vor allem Onlineshops, dann kommt der größte Teil der Besucher über Google. Bei einem Onlineshop sind es 25% über die Google Produktsuche. Mit diesem Service verdient Google auch Geld, weil dort Anzeigen platziert werden. Für die Shopbetreiber ist der Service kostenlos, genau wie für die Besucher. Aber deshalb kommt ein Shopbetreiber doch nicht auf die Idee gegen Google zu klagen. Er hat durch die kostenlose Listung doch einen Vorteil. Es ist eben ein Geben und Nehmen. Google lebt von seinem Index und der Vermarktung desselben, die Seitenanbieter, egal ob Verlage oder Shopbetreiber von den Besuchern um selbst Anzeigen zu schalten oder Produkte zu verkaufen.

Eigentlich müssten damit doch alle zufrieden sein, warum sind sie es nicht?

Warum sind es immer wieder die Verlage und Medienkonzerne die sich beschweren und Dinge problematisieren. Egal ob es gegen Google oder gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter geht, irgendwas passt den Konzernen immer nicht. Die einen dürfen, laut den Verlagen, kein Geld verdienen und keine Konkurrenz sein (weil sie ja vom Staat finanziert werden), die anderen weil Sie von den Inhalten der Konzerne profitieren. Ich werde das Gefühl nicht los, dass immer wieder nur die „Verhinderer“ gesehen werden und nicht die Chancen. Die alten Konzepte funktionieren nicht mehr, jetzt wird gejammert und geschimpft.

Liebe Konzerne macht endlich die Augen auf und nutzt die Chancen. Macht nicht immer nur den Erfolg anderer madig, sondern etabliert eigene Modelle. Probiert was aus!

Hier muss ich wieder meine beiden „Lieblinge“ Google und die taz nennen. Beide unternehmen etwas, sie sind ja Unternehmer/n. Google hat unzählige Produkte eingeführt, festgestellt das es nicht funktioniert und wieder vom Markt genommen. Aber eben auch einige Produkte sehr erfolgreich mit dieser Methode etabliert. Die taz sucht nach neuen Wegen für ein Bezahlmodell und scheint damit durchaus erfolgreich zu sein. Kein anderer Verlag hat das vorher in Deutschland versucht. Es hätte grandios scheitern können, aber danach sieht es im Moment nicht aus.

Als Einstiegslektüre könnte eventuell das Buch von Jeff Jarvis „What would Google do?“ dienen. Vielleicht öffnet das etwas die Augen.

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Hinweis: Dieser Artikel ist ursprünglich für www.punktelf.net
entstanden und deshalb hier und dort zu finden.

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