Soziale Medien – Fortschritt, Moral & Generationenkonflikt

Auf Spiegel online geht es unter dem Titel „Es lebe die Verweichlichung“ um die Kritik an sozialen Medien. Der Beitrag ist eine Gegenrede auf einen Beitrag des Chefredakteur der New York Times. Hier ein paar Einwürfe dazu von mir:

Ein wesentlicher Teil des Beitrags ist die Unterschiedlichkeit des Umgangs mit dem sozialen Netzwerken der verschiedenen Generationen. Gerade die älteren Nutzern haben häufiger Probleme damit, weil sie nicht mit diesen Medien aufgewachsen sind. Die jüngeren gehen viel natürlicher damit um. Sie kennen eine Welt ohne Internet nicht und haben von daher oft auch einen offeneren Umgang. Sie nutzen es einfach, ohne groß darüber nachzudenken.

Natürlich ist auch das nicht immer gut, denn wer will später schon ein Problem mit irgendwelchen „Saufbildern“ haben, wenn er sich auf einen Job bewirbt. Für mich ist das eigentlich Problem hier aber nicht der sorglose Umgang der Jugendlichen, sondern eher die Pseudomoral der älteren. Sind die Personaler, die Jugendliche wegen ihres Freizeitverhaltens nicht einstellen, nicht das eigentliche Problem? Waren nicht alle mal jung, haben über die Stränge geschlagen und sich dann eventuell auch noch dafür im Freundeskreis feiern lassen? Doch, aber damals gab es noch kein Internet und wenn es nicht für einen Artikel in der Lokalpresse gereicht hat, dann blieben diese Sachen im Freundeskreis. Warum sind solche Dinge wichtig für einen Personaler? Da gibt es doch andere Kriterien,  die eine Rolle spielen sollten. Sollen immer nur die braven oder vorsichtigen eingestellt werden? Ich glaube das bringt kein Unternehmen weiter.

Jeder Fortschritt bringt uns viele Vorteile, aber auch einige Nachteile. Man hat gerade in den klassischen Medien immer wieder das Gefühl, dass oft die Nachteile überwiegen. Aber gab es die Diskussionen nicht schon immer bei Erfindungen? Ich würde sagen ja, vermutlich wurde auch bei der Erfindung des Telefons viel diskutiert, aber diese Diskussionen wurden nicht in so einem großen Kreis diskutiert, weil es das Internet noch nicht gab.

Heute kann jeder mitdiskutieren. Ob er Ahnung hat oder nicht. Ob alt oder jung. Ob Journalist oder Leser. Ob Unternehmen oder Kunde. Das ist sicher nicht immer hilfreich, aber es ist eine neue Qualität der Diskussionskultur. Es ist in ein Verlust der Kontrolle. Die Medienwelt ist vielfältiger geworden. Den Umgang müssen/mussten alle erst noch lernen. Für die jungen Leute ist es meist leichter, als für die älteren. Das dürfte auch ein Grund sein, warum gerade in vielen Unternehmen auch eine gewisse Angst vor den sozialen Netzen herscht. Viele versuchen sich zu verstecken, übersehen dabei aber, das auch wenn sie selbst nicht aktiv teilnehmen. Dann haben diese Unternehmen allerdings keine Möglichkeit einzugreifen und auf die Diskussionen zu reagieren. Auch das kann natürlich eine Strategie sein, die Frage ist aber, ob es eine zukunftsfähige ist.

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