2 Kandidaten = Kampfabstimmung, 1 Kandidat = Wahl

Der Kabarettist Volker Pispers hat sich diese Woche mit dem Parteitag der Piratenpartei beschäftigt (Podcast anhören) und dabei über die für eine „größere“ Partei ungewöhnliche Wahl des Parteivorsitzenden aus mehr als einem Kandidaten berichtet. (danke an chriszim.com für das Transkript)

Ich finde er hat recht! Was ist das für ein Demokratieverständnis, wenn immer von einer Kampfabstimmung die Rede ist, wenn mehr als ein Kandidat antritt und bei einem Kandidaten wird von einer Wahl gesprochen. Ein Kandidat der sich „nur“ 60% der Stimmen durchsetzt, wäre für die Medien direkt gescheitert, so Pispers.

Vielleicht ändert sich dieser Politikstil ja (es ist zu hoffen). Der Parteitag einer kleinen Partei könnte ein Anfang sein. Auch in der Kommunalpolitik im MKK gibt es einen Anfang. Die SPD Main-Kinzig hat es sich bei der Wahl des Koalitionspartner nicht einfach gemacht und das Ergebnis war nur ein 26:16 für die neue Koalition. Ist die Koalition jetzt von Beginn an zum scheitern verurteilt? Ich denke nicht, es ist eher ein kleines Zeichen für ein Umdenken, auch bei den „großen“ Parteien. Vielleicht setzt sich diese Art der Wahl ja bei den nächsten Wahlen (des Personals) durch und dringt von der Basis nach oben durch. Die Frage bleibt dabei dann nur, was die Medien daraus machen. In den Lokalmedien war zumindest keine Kritik am knappen Ergebnis zu hören. Aber es ist ja auch „nur“ die Wahl des Koalitionspartners im Kreistag gewesen.

Bei den meisten Parteitagen muss es immer ein tolles Ergebnis für die Führungsriege geben. Muss ein Wahlergebnis eigentlich immer gut aussehen? Für wen? Für die Medien. Aber ist es nicht wichtiger zu diskutieren, auch mal zu kritisieren und dann einen Kandidaten „nur“ mit 51% zu wählen. Dieser Kandidat ist wenigstens ehrlich gewählt worden. Er hat die Mehrheit der Partei hinter sich und kann bei guter Arbeit seine Gegner/Skeptiker überzeugen und dann vielleicht bei der nächsten Wahl ein besseres Ergebnis einfahren. Ich fände das gut! Vielleicht könnte es auch ein Weg aus der Politikverdrossenheit sein, wenn bei Parteitagen nicht immer schon alles vorher im Hinterzimmer ausverhandelt wird.

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