Die Macht der Mehrheit

Einer meiner (zahlreichen) Mitblogger hat kürzlich in diversen sozialen Medien auf diesen Artikel verlinkt (in nicht unbedingt positiver Art und Weise). Ich halte die meisten der Aussagen da für bloße Panikmache (Street View! Gmail Werbung! …), und der generellen Vorschlag des Artikels ist selbst für mich zu kommunistisch. Aber. Folgender Absatz ist dann doch etwas, dem ich zustimmen mag:

Die „richtige“ Antwort bei Google ist die, die am häufigsten gegeben wurde. In 80 Prozent aller Fälle dürfte das kein Problem sein, weil sich in den ersten zehn Suchergebnissen eine eindeutige Antwort findet. Aber in den weniger eindeutigen Fällen kann die Mehrheitsmeinung gegenüber der Minderheitenposition bevorzugt und so gefestigt werden. So verstärkt Google den Trend zu einer Welt, die immer einförmiger wird, je mehr sie zusammenwächst.

Auch das ist sicher ein wenig Panikmache. Dennoch: Ich erinnere mich an die Zeit als Amazon.de zum ersten Mal verkündete: „Kunden, die XXX gekauft haben, waren auch an YYY interessiert.“—meine erste Reaktion (die noch immer anhält) war Folgende: Wenn ich nur lese, was andere, die das lesen, was ich lese, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas Neues, Interessantes entdecke, recht gering. Bei Amazon hatte ich die einfache Möglichkeit, den aufdringlichen Ratschlag zu ignorieren—bei Google habe ich das nicht.

Ein Beispiel: Kürzlich wollte ich die Website des Philosophen Kissine finden. Google versuchte hilfreich zu sein, und zeigte mir Treffer, die das Wort „kiss“ enthalten. Und dies war nicht ein Fall von „meinten Sie …“—Google (bzw., ihr statistisches Modell) entschied einfach, dass ich ich am Küssen interessiert sein muss.

So, die Kritik hier ist nicht unbedingt, dass Google zuviel Macht hat, die es missbrauchen kann (obwohl auch das einen Gedanken wert ist), sondern einfach, dass (einfache) statistische Modelle schnell interessante Daten ausblenden können, die anderweitig sehr relevant wären. In einer Zeit, in der etwas, das nicht googlebar ist als kaum existent angesehen wird, ist das sicher etwas, über dass man sich Sorgen machen darf.

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